Im ganzen Geschnatter um GEO und KI-Sichtbarkeit kam das Schönste diese Woche von einem Kunden, einem Bauunternehmer, seit Jahrzehnten im Geschäft. Er leitete mir eine Werbe-Mail weiter mit einem einzigen Satz: “Was wollen die denn?”
Ja wirklich, dachte ich, was bieten die da überhaupt an? Und was soll das? Er macht seine Sache doch gut? Also: Was wollen die denn?
Diese vier Wörter spiegeln genau das Unverständnis, das die meisten Texte, die gerade über die neue KI-Welt geschrieben werden, auslösen. Und sie zeigen das Gespür erfahrener Unternehmer, die so eine Mail in einer Sekunde als Lärm erkennen. Das ist Kompetenz, die dir kein Berater verkaufen kann.
In der Mail selbst stand das so vertraute Versprechen. Man habe für einen anderen Betrieb aus der Branche die “Sichtbarkeit in ChatGPT verbessert” und auf diese Weise “spürbar mehr Anfragen” erzeugt. Es war alles dabei: der freundliche Ton, die Erfahrung in der Branche mit dem Kunden aus der Nachbarschaft und das topmoderne Versprechen.
Was solche Mails in Wahrheit anbieten, ist ein leiser Zweifel an deiner eigenen Urteilskraft. Die Botschaft hinter der Botschaft lautet immer gleich: Die Regeln haben sich geändert, du hast etwas verpasst, und ohne uns fällst du zurück, oder, schlimmer noch, verschläfst regelrecht die KI-Revolution. Wer das oft genug hört, fängt irgendwann an, dem eigenen Bauchgefühl zu misstrauen.
Mein Kunde hat das nicht getan. Er hat die Mail gelesen, kurz den Kopf geschüttelt und sie an mich weitergereicht. Sein Instinkt war schneller und ruhiger als jede Anleitung zur KI-Optimierung, die man ihm hätte verkaufen können.
Das gelingt nicht jedem. Ich erlebe das Misstrauen gegen den eigenen Bauch inzwischen in vielen Gesprächen. Inhaber, die ihren Betrieb im Schlaf führen, werden merkwürdig unsicher, sobald ein paar englische Abkürzungen im Spiel sind, und schon klingt das, was sie seit dreißig Jahren richtig machen, plötzlich wie ein Versäumnis.
Vielleicht lohnt es sich, beim nächsten dieser Angebote einen Moment innezuhalten und zu prüfen, ob es da wirklich eine neue Regel gibt oder altes Handwerk im neuen Mantel. Eine klare Marke haben, gefunden werden, im Markt erkennbar sein, das war noch nie ein Geheimnis, das man teuer einkaufen muss, und ist es bis heute nicht.
Und dann ist da die Frage, die sich der Absender der Werbe-Mail nicht gestellt hat. Mein Kunde baut Straßen und zieht Bankett, seine Auftraggeber sind Bauämter, Generalunternehmer und Vergabestellen. Ich habe versucht, mir den Menschen vorzustellen, der abends ChatGPT öffnet und eintippt, wer ihm das Bankett an der Landstraße ziehen kann. Ich habe ihn nicht gefunden.
Wer dir Sichtbarkeit auf einem Kanal verkauft, auf dem deine Kunden nie auftauchen, hat bei aller Mühe das Wichtigste übersehen: dich und deine Kunden.
Soweit für heute. Senf Ende, wird aufgefüllt. Wer mag, schreibt mir inzwischen eine Mail.
Herzliche Grüße
Mel