Wer im Sekundentakt gespiegelt wird, sieht sich nicht mehr.

Ein Geschäftsführer. Pro Viertelstunde macht er dreimal sein Telefon auf, ohne dass es geklingelt hat: „Ich weiß gar nicht mehr, ob ich das für die Kunden mache oder für das Dashboard.“.
Er sitzt mir gegenüber und öffnet jedes Mal dieselbe App mit derselben Frage: Wie viele Menschen haben reagiert? Sein Unternehmen zählt 60 Mitarbeiter, er hat echte strategische Entscheidungen vor sich, führt gerade ein ernsthaftes Gespräch und trotzdem schaut er. Der Griff geht von selbst.

Ja, wir sind es gewohnt, uns im Blick anderer zu erkennen. Eine Marke entsteht schließlich nicht im Vakuum, sondern in der Wahrnehmung der Menschen, die mit ihr in Berührung kommen. Ein Spiegel ist notwendig. Was sich allerdings verändert hat, ist die Qualität der Spiegel, die uns umgeben und, wer den Spiegel hält.

Likes kommen im Sekundentakt. Reichweite wächst oder bricht ein, ohne Erklärung. Der Algorithmus bewertet, was Aufmerksamkeit erzeugt. Aber: er fragt nicht, was trägt.
Diese algorithmischen Spiegel sind schnell, anonym und kontextlos. Sie kennen den Betrieb nicht, sie kennen die Geschichte nicht und sie kennen die Mitarbeiter nicht, die seit 15 Jahren dabei sind.
Die langsamen Spiegel sind die wahren. Sie kommen aus dem Gespräch mit einem Kunden, der schon viele Jahre dabei ist. Sie kommen aus dem Mitarbeiter, der nach der Weihnachtsfeier noch nüchtern genug ist und einen Moment stehen bleibt. Und sie kommen aus dem Feedback einer Lieferantin, die es eigentlich nicht sagen müsste, es aber trotzdem sagt. Diese Spiegel sind kontextreich und ehrlich, weil der Mensch dahinter etwas mit dir verbindet. Er kennt dein Unternehmen. Er hat eine Geschichte mit dir.

Der Algorithmus hat keine Geschichte mit dir.

Vielleicht lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und zu fragen: Welche Spiegel nimmst du wirklich ernst? Die schnellen geben Frequenz. Die langsamen geben Tiefe. Und manchmal, wenn man lange genug hineinschaut, auch Klarheit darüber, wer man eigentlich ist.

Soweit für heute. Senf Ende, wird aufgefüllt. Wer mag, schreibt mir inzwischen eine Mail. Herzliche Grüße,

Mel